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Die Ausstellung “SOFTWARE” kann als einer der ersten Versuche betrachtet werden, Anstrengungen zur Erforschung des kreativen Potentials der Informationstechnologie und Formen der Konzeptkunst zusammenzubringen. Die Ausstellungskonzeption war beein- flusst von Kybernetik und einem systematischen Denken, das die Welt als ein Über- System aus vielen kleinen miteinander interagierenden Subsystemen ansah. Auch Kunst erschien nun als Informationssystem und sollte aktiver Mitspieler bei der Entwicklung von Methoden der Modellbildung und Konzeption für statistische Beschreibungen von kulturellem und sozialem Verhalten auf der visuellen Ebene sein.
Umerziehung der Umerzogenen (Re-Reeducation)
Im Mittelpunkt der Installation “Umerziehung der Umerzogenen (Re-Reeducation)” steht der Nachbau von “Seek”. Lutz Dammbeck hat mit einem Team von Technikern, Informatikern und einem Wissenschaftler des Instituts für Zoologie/Biologie der Martin- Luther-Universität Halle/Wittenberg die Versuchsanordnung nachgestellt und mit anderen Elementen wie einer Handbibliothek und einem Schriftzug “Behavioral Sinks” in einer Montage zusammengeführt. Die einzige Veränderung gegenüber dem Original von 1970 ist, dass die Rennmäuse einen Rückzugs- und Ruheraum haben, der nur begrenzt einsehbar ist und so selber entscheiden können, ob sie mitspielen wollen oder nicht. “Re- Reeducation” ist vom 30.01.-26.04.2009 Teil der Ausstellung “MAN SON 1969 - Vom Schrecken der Situation” in der Hamburger Kunsthalle.
Krieger mit Krallen
1867 entdeckte und fing der französische Pater Abbé Armand David drei Exemplare einer bis dahin unbekannten Art von “gelben Ratten mit langen behaarten Schwänzen”. Er sandte diese Tiere an den Direktor des Naturkundemuseums von Paris, Monsieur Milne- Edwards, der den Tieren den Namen Meriones unguiculatus - Krieger mit Krallen gab.
1935 wurden zwischen Manschurei und Mongolei 20 Paare der Mongolischen Wüsten- rennmaus gefangen und in das Kitasato-Institut gebracht. 1949 wurde im Zentrallabor für Versuchstiere in Tokio eine weitere Kolonie gegründet, aus der 1954 elf Paare zur Zucht nach Brant Lake in Amerika gesandt wurden. Von hier gelangten später Mongolische Rennmäuse an viele Institute und Universitäten in Amerika und Europa. Somit wären die Rennmäuse für die Ausstellung “SOFTWARE” 1970, über mehrere Generationen hinweg, mit denen in Lutz Dammbecks Installation verwandt.
Meriones unguiculatus sind sehr sozial und leben mit mehreren Generationen in Familienverbänden. Meist geht der gesamte Verband (15-20 Mitglieder) von einem Paar aus. Die Tiere sind monogam, sie halten keine Winterschlaf und sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. In den frühen Morgen- und Abendstunden kommt es zu einem Aktivitätshoch, wobei die Tiere einer Gruppe synchron aktiv sind. Ausgewachsene Tiere sind 60 bis 120 g schwer. Der Rumpf ist zwischen 10 bis 14 cm lang, die Schwanzlänge beträgt ca. 11 cm.
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